Eine Quote für Musik aus Deutschland?
Anhörung des Ausschusses für Kultur und Medien in Berlin

Riesenauflauf in Berlin. Vor mir stehen Udo Lindenberg und Yvonne Catterfeld. Sie sind nicht allein. Die Warteschlange besteht aus lauter Prominenz der deutschen Musikszene. Professor Reinhold Kreile, Vorsitzender des Vorstandes der deutschen GEMA gehören genauso dazu wie Gunter Gabriel, der gerade seinen Personalausweis durch die Panzerglasscheibe geschoben hat.

Da ganz vorne der Sicherheitscheck wie im Flughafen. Wir alle checken ein zum Ausschuss für Kultur und Medien. Draußen regnet es erbarmungslos. Es ist die 41.Sitzung der 15.Wahlperiode. Vorsitz Monika Griefahn aus Niedersachsen im Anhörungssaal Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Es geht um deutsche Musik, genauer: Öffentliche Anhörung zum Thema “Eine Quote für Musik aus Deutschland? Medienanteil deutschsprachiger Musik/Medienanteil von in Deutschland produzierter Musik”.

Der Zuschauerraum überfüllt. Fernsehteams drängeln sich. Reinhard Mey, Udo Lindenberg, Peter Maffay sind dafür. Laith Al-Deen, Klaus Hoffmann, Heinz Rudolf Kunze, Reinhard Mey, Wolfgang Niedecken, Stefan Waggershausen und Frank Zander, Bundestagsvizepäsidentin Antje Vollmer von den Grünen sind dafür. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und Kulturstaatsministerin Christina Weiss sind dagegen. Eine freiwillige Selbstverpflichtung der Rundfunksender ist ihre Position, nicht hier und heute, aber man weiß es.

In diesem riesigen Saal befragen Hochkaräter Hochkaräter. Ein Wer ist Wer deutscher Politik und Musikkultur. Vor mir sitzt Nike Wagner, Urenkelin Richard Wagners und Intendantin des Kunstfestes Weimar. Was wird dabei herauskommen? Beifall für Antje Vollmer. Unmutsäußerungen für Gernot Romann, NDR-Hörfunkdirektor, einen Quote-Gegner.

Was sagt mein Berliner Taxifahrer? “Bei die Englischen verstehe ick den Text sowieso nich. Bei die Deutschen würde mir son schlechter janz schön nerven!” Stoische Gleigültigkeit, bei gleichzeitig indirekt geforderter guter deutscher Textkultur…eines der Seile um die deutsche Zeile, auf dem in der kommenden Zeit bezüglich der Quote balanciert werden wird.

Verlieren wir uns im Nebel der Möglichkeiten: Sie werden in gut demokratischer Manier diskutieren, warten und nichts wird sich tun. Mein Berliner Taxifahrer wird alt und grau geworden sein und noch immer keine englischen Texte verstehen. Die deutschen Texter dagegen und deutsche Musik werden im Untergrund Erfolge feiern. Deutsche Musik-Szene-Kneipen werden wie Pilze aus dem Boden sprießen und damit werben: Hier singen wir deutsch! Es wird die tollsten Texte und die tollsten Songs geben. In Scharen werden die Menschen in diese Kneipen pilgern, um in ihrer Muttersprache zu singen. Sie werden Geld dafür ausgeben. Texter und Komponisten werden geachtete Künstler sein. Man wird ihnen Lorbeerkränze winden und sie auf den Schultern tragen, weil sie so gut sind. Sie werden eigene Radiosender und eigene Fernsehkanäle betreiben. Eigene Satelliten werden ihre Programme in alle Welt senden, bewundert und beneidet…

“Meine Dame, wir sind jetzt an ihrem Hotel”, höre ick, pardon, höre ich die Stimme meines Taxifahrers. Immer wenn es am Schönsten ist, ist es vorbei – und es regnet noch immer.

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