Category: Journalismus


erschienen in der Evangelischen Zeitung vom 19. Juli 2015, S.17

Von Johanna Renate Wöhlke

Eine Premiere – einfach eine Premiere…?

Ende einer Premiere

Es wird gepredigt und -  alle gehen hin, aber keiner merkt, dass gepredigt wird? Das trifft auf ein Ereignis zu, das in diesen Tagen schon im 64. Jahr seine Jünger in seinen Bann zieht: Karl May, seine Geschichten und die Karl May Spiele in Bad Segeberg. Noch bis zum 6. September heißt das Stück „ Im Tal des Todes“. In der Saison 2014 haben so viele wie nie zuvor die Karl May Spiele besucht: Es waren 329.393 Besucher! Die Hoffnungen in diesem Jahr bleiben nicht dahinter zurück.

Warum nun wird auch in diesem Jahr bei den Karl May Spielen so perfekt gepredigt – und keiner scheint es zu bemerken? Die Geschichte trägt alles in sich: Darin geht es um Gut und Böse, Liebe und Täuschung, Verführung und Entführung, Ausbeutung und Gewalt, Himmel und Hölle, Wandlung und Erlösung, Hoffnung und Glauben. Das, so könnte man meinen, macht es allein nicht aus. Schließlich beinhaltet alles Theater von Anbeginn an die Botschaften des Lebens und seiner Irrungen und Wirrungen und ist deshalb noch keine Predigt. View full article »

Er heißt „Keukenhof“, das heißt Küchengarten, und ist das blühende Juwel der Niederlande. Dort wachsen und blühen im Frühjahr 2015 etwa sieben Millionen Tulpen in 800 Sorten. Zu den Blumen gesellen sich Kunstwerke und Inspirationsgärten.

Die berühmte niederländische Gartenanlage nahe Amsterdam ist beim südholländischen Örtchen Lisse gelegen. Wo im 15. Jahrhundert eine Jagdlandschaft und ein fürstlicher Küchengarten waren, ist 1949 eine Gartenlandschaft entstanden, die ihresgleichen sucht.  Die Niederlande und die Tulpen – das ist inzwischen eine weltweit untrennbare Einheit, die Millionen Besucher aus der ganzen Welt in das Land an der Nordsee lockt. Geöffnet ist immer nur im März bis Mai eines jeden Jahres, für 2015 vom 20. März bis zum 17. Mai. Danach ist die Blüte vorüber und die Gedanken der Planer und Gärtner sind schon längst wieder mit der kommenden Saison beschäftigt.

In diesem „Küchengarten“ wird allerdings nicht gekocht. Die „Köche“ sind Gärtner und die haben mit ihren Zwiebeln anderes im Sinn als Zwiebelsuppe… Sie gestalten keine Kochrezepte. Sie sind Pflanzmeister und realisieren „Pflanzrezepte“. Hollands Blumenzüchter breiten ihre blühenden Schätze vor der Welt aus. Wirtschaftliches Interesse und Faszination an der Natur verbinden sich ohne Gegensatz.

Der Besucher gerät in einen Rausch von Farben und Formen – geht, schlendert, verharrt, staunt und staunt. Fast sprachlos reduzieren sich Gespräche in „Ohs“ und „Ahs“, „Wundervoll“, „Phantastisch“, „Unfassbar“, „Guck mal hier“, und was der bewundernden Gefühlsausbrüche in Worten mehr sind – in einem bunten Sprachgemisch.

Schon die Anfahrt versetzt in einen Augentraum in einem Blütenmeer. Kilometerweit geht der Blick über blühende Tulpenfelder. Unwirklich grenzen sich gelbe, rote, lila und weiße Felder voneinander ab und bilden aus der Ferne  satte Farbstreifen auf der Erde. Hier wachsen keine Millionen, hier wachsen wahrscheinlich Milliarden von Blüten der Sonne entgegen. So dicht stehen sie, dass der Eindruck einer mit einem breiten Pinsel gemalten einheitlichen Fläche entsteht. Erst in der Nähe kristallisieren sich daraus einzelne Blütenköpfe dicht an dicht heraus, fast nicht voneinander zu unterscheiden. Wahrlich ein Traum.

Am Park angekommen taucht der Besucher in ein anderes Meer ein: das Meer der Besucher! Busse und Pkw füllen die riesigen Parkflächen und es sieht aus, als schütteten sie ihre Insassen aus. Fast jeder hat eine Kamera in der Hand. Auch die Fotos, die hier gemacht werden, gehen in die Millionen. Das ist sicher. Es ist schnell klar: Die Faszination des Keukenhofes wird auf Bildern mit nach Hause genommen, auch wenn man die Blütenpracht nicht einpacken kann. Schnell ein „Selfie“ vor dem Tulpenfeld? Aber sicher doch! So schlendert man durch den 32 Hektar großen Park mit seinen Blumen- und Blütenshows und wird sicherlich auch selbst auf Bildern festgehalten, wenn man seine Fotos macht – gedankenverloren und in die blühenden Schönheiten versenkt.

Die Attraktion des Jahres 2015:  ein 250 Quadratmeter großes Blumenmosaik zu Ehren des Malers Vincent van Gogh; sein Gesicht aus einem Tulpenteppich gestaltet, blühend und strahlend an einen Künstler erinnernd, der selbst ein Liebhaber der Farben gewesen ist und vor 125 Jahren gestorben ist. Ihm  begegnet man noch an anderen Stellen des Parkes und natürlich auch in allen Souvenirshops.

Clusius

Wer im Historischen Garten nahe am Haupteingang einen Blick auf die Büste und Tafel des Carolus Clusius, auch Charles de l`Écluse,  wirft, bekommt einen Eindruck davon, welchen Weg die Tulpenzucht seit seiner Zeit vor vierhundert Jahren bis heute genommen hat. Clusius trug maßgeblich zur Verbreitung der Tulpe in den Niederlanden bei. Wie kein anderer Botaniker seiner Zeit kannte er die Pflanzen Europas, entdeckte neue Arten, beschrieb sie und bildete sie ab. Im Historischen Garten findet der Besucher Tulpen, die den Tulpen entsprechen, mit denen vor 400 Jahren alles begann.

Im kommenden Jahr 2016 wird die Pracht der Tulpen und vieler anderer Pflanzen niederländischer Züchterkunst vom 24. März bis zum 16. Mai zu sehen sein.

Der Keukenhofplan

 

Immer aktuelle Infos unter:  Keukenhof Niederlande

 

Von Johanna Renate Wöhlke

Dieser Artikel erschien 1996 im Rahmen einer Serie für das Hamburger Abendblatt zum Thema: “Womit haben Sie als Kind gespielt?” Damals war Rauhe noch Präsident der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg

Womit haben Sie als Kind gespielt? Professor Hermann Rauhe

Rauhe in seinem Büro

 Erwartungsvoll, neugierig und gespannt fahre ich an diesem Morgen zum verabredeten Interviewtermin mit dem Präsidenten der Hochschule für Musik und darstellende Kunst am Harvestehuder Weg, Professor Hermann Rauhe. Denn schon auf dem Anrufbeantworter und später am Telefon hat er spontan und begeistert auf das Thema reagiert und dadurch in mir einen Erwartungszustand wachgerufen, Neugier auf das Gespräch, die Situation, das Zusammentreffen mit einer aufgeschlossenen, offenen und begeisterungsfähigen Persönlichkeit, die Zugänge zu sich selbst nicht versperrt, sondern weit aufmacht, so jedenfalls stellt es sich mir schon nach den wenigen Sätzen dar, die wir bislang miteinander gewechselt haben.

“Nirgendwo ist der Mensch so sehr er selber wie im Spiel”, empfängt er mich, und es sprudelt aus ihm heraus wie aus einer unerschöpflichen Quelle, die sich schon aus so vielen Wassern gespeist hat, daß in ihr reiches Wissen und Erfahrung zu sein scheint, vernetzt und ineinander verwoben, wie das wohl nur auf der Höhe eines erfüllten Forscher- und Lehrerlebens möglich wird. View full article »

Werner Schneyder bei seiner liebsten Zugabe: dem Signieren seiner Bücher

 

Was in Erinnerung bleibt sind Kaskaden von Wortspielen, intellektuellen Bissigkeiten und ebensolchen politischen Analysen, hintergründiger Humor, sprachliche Textakrobatik  gespielt, gelesen und gesungen. Das ist so, weil dort ein Titan des Kabaretts auf der Bühne stand: Werner Schneyder.

Ein Gefühl von „es war einmal“ galt es zu bekämpfen – nicht im Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg wie in den 1980er Jahren, nein, in der „Empore“ in Buchholz vor den Toren Hamburgs – volles Haus für Werner Schneyder und sein Programm „Ich bin konservativ“, begleitet am Flügel von Christoph Pauli.

Er kann es immer noch – und wie er es kann! Noch im Januar wird er 78 Jahre alt, die Haare noch immer widerborstig, als wollten sie das gedankliche Feuerwerk unter der Kopfhaut schon mal optisch ankündigen. Schneyder und der Pianist Christoph Pauli, virtuos und sensibel eingespielt auf Schneyder, verzaubern das Publikum und haben die Lacher und Schmunzler auf ihrer Seite –  Applaus, Bravos und Zugaben eingeschlossen.

Besser als er geht nicht -  anders sicherlich im modernen Kabarett. Alle seine Programme sind nach seinen großen Tourneen durch Österreich, die Schweiz und Deutschland vom Fernsehen ausgestrahlt worden. Vielfältig Schneyders Lebenswerk mit Kabarett, Schauspiel, Regie, als Buchautor, Liedtexter, als Sportkommentator auch beim Amateur- und Berufsboxen und dort auch als Schiedsrichter, den Sänger nicht zu vergessen.

Er lebt ein Leben in Vielfalt und dieses Leben immer mit scharfem Verstand beobachtend, analysierend und künstlerisch umsetzend– eine Gabe der Natur, die Schneyder in seiner Arbeit erfolgreich einzusetzen fähig war. Er schafft es, selbst die härtesten und kritischsten Aussagen in das Gewand des Humors zu kleiden – Humor, der die ernsteste Angelegenheit der Welt sein kann, wenn er Einsichten transportieren hilft.

Nachdem der in Wien und Kärnten lebende Schneyder sich 1996 von der Kabarettbühne verabschiedet hatte, war es zwölf Jahre später dieses Programm „Ich bin konservativ“, mit dem er wieder auf die Bühne zurückgekehrt ist. Sein Publikum in Buchholz und anders dankte und dankt es ihm. Sie kennen und verehren ihn, möchten mit ihm eine Form des Kabaretts festhalten, die wahrscheinlich ein Saurierschicksal erleiden wird, wenn seine Protagonisten die Bühne verlassen haben werden.

Die Erfahrungen eines Lebens, die des Alters, sie sind in diesem Programm besonders präsent und machen es rund und authentisch. Die ebenso alt gewordenen Fans im Publikum bekommen einen auf die Zeit gemünzten Trost mit nach Hause. Wie sagte ihm sein Freund, erinnert sich Schneyder, an den runden Stehtisch auf der Bühne angelehnt und lässig dahinter auf dem Barhocker sitzend: „Wir sind schon alt. Wir dürfen jetzt essen, was uns schmeckt!“

Das ist eine kleine Bemerkung am Rande und doch keine Randbemerkung in dieser Zeit des permanent regelhaften Beratertums jeglicher Couleur – und dann noch: „Die Dinosaurier würde es heute sicherlich noch geben, wenn sie gute Lobbyisten im Parlament gehabt hätten.“ Hoffen wir, dass so gutes Kabarett nie aussterben wird. Seine „Lobbyisten“ sind das Publikum, das hat dieser Abend in der „Empore“ Buchholz bewiesen – und in diesem Sinne ist auch die Autorin sehr gerne konservativ!

 

Werner Schneyder und Christoph Pauli bedanken sich beim Publikum

 

 

Der Weihnachtsmann kann lachen

Er gehört in die Zeit der Wunder, Geheimnisse und Fantasien. Die Weihnachtszeit ist seine Zeit – die Zeit des Weihnachtsmannes. Zeit- und geschichtslos scheint er seine Geschenke auszuteilen, ohne dass einer jemals nach seiner persönlichen Geschichte gefragt hätte.

Aber er hat eine und  außerdem noch ein Geburtsjahr und einen Vater, dessen Vaterschaft kaum jemand kennt: Der hieß nämlich Moritz von Schwind, war Maler und hat seinen Sohn als Prototyp mit Farbe und Pinsel geboren. Das war 1847 für eine Bilderfolge der Zeitschrift „Münchner Bilderbogen“, die in Deutschland und Europa ihre Leser hatte.

Da zeichnete Moritz von Schwind also einen „Herrn Winter“, einen alten Mann mit langem weißem Bart im braunen Kapuzenmantel, hohen Stiefeln und einem kleinen Tannenbäumchen mit brennenden Kerzen in der Hand.

Diese Geschichte ist nun 167 Jahre her – 167 Jahre, in denen der Weihnachtsmann einen beispiellosen Siegeszug durch Europa und die Welt gemacht hat. Als 1968 schwedische Jugendliche im Angesicht wachsenden Weihnachtskonsums forderten „Schafft den Weihnachtsmann ab“, konnte das nur als ein schwaches Kratzen am Denkmal Weihnachtsmann gelten.

Von allen bewundert jedes Jahr wieder im Ka De We in Berlin – ein Klasse Weihnachtsmann!

war aus dem Prototyp ein Millionenseller geworden, mühelos seiner Wiege entwachsen, der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und ihrer neuen Kleinfamilie mit dem unangefochtenen Leitbild des liebevoll-autoritären Vaters, dem das artige Bürgerkind zu gehorchen hatte. Mühelos aber auch Volkstümliches und Mythisches vereinnahmend und vereinigend – auch den Heiligen Nikolaus mit seinem dämonischen Knecht Ruprecht aus der Tradition der beiden großen christlichen Kirchen und das Christkind als weihnachtlichen Gabenbringer dazu.

Er überstand Kaiser und „Tausendjähriges Reich“, war auch in der staatsatheistischen DDR populär. Mühelos vertrug er sich in seinen 167 Lebensjahren mit anderen Kulturen und Weltanschauungen, fast so als wolle er als Sinnbild des alten, weisen und gütigen Mannes dem christlichen Jesuskind in der Krippe ein weltliches Paroli bieten. View full article »

 Die viertägige Jubiläumsreise nach Stavanger

Oder

Eine lange Liebeserklärung an eine kurze Reise

Die Queen Mary 2 legt ab

Die Queen Mary 2 legt ab. In den Himmel ragt nicht nur sie. Hinter ihr ragt alles in den Himmel, was Hamburg zu bieten hat und bildet eine einzigartige Abschiedssilhouette – vom Riesenrad am Grasbrook Terminal, der noch immer kranumkränzten Elbphilharmonie, den Kirchtürmen und Riesenkränen in den Wirtschaftshäfen. So sieht eine Paradeausfahrt aus. So fühlt sie sich an, begleitet von Tausenden von Menschen.

Ganz langsam verliert sich Hamburg im Abendhimmel. Am Übergang zwischen Himmel und Wasser bleibt eine immer schmaler werdende gezackte dunkle Linie zurück, gemalt von einer Stimmung, die Abschied heißt.

Vorbei an der Elbphilharmonie

Da mag sich in seine Kabine verziehen wer will. Diese Art von sommerlichem Abschiednehmen will gefeiert sein, gefeiert sein unter einem blauen Himmel auf den Decks im Heck, der sich nahtlos vermählt mit dem wässrigen Graublau der Elbe.  Sie feiern sich gegenseitig. Ihre beste Seite ist es, die sie spielen, die sie im Konzert des Miteinander aufgelegt haben. Es ist eine Symphonie, die man nicht mit den Ohren hören kann. Sie will erfühlt sein. Wenn jetzt noch ein Abschiedskonzert aus der Elbphilharmonie tönte…

Welch ein Abend unter Schäfchenwolken, Fähnchen schwenkenden Passagieren, vorbei an der Seemannsmission, den Schiffsdocks, weiten Containerfeldern, den Köhlbrand hinter sich lassend, Terminal Burchardkai mit seinen riesigen Kränen, Finkenwerder zur Linken, Airbus und das Hotel Louis Jakob. View full article »

 

Wie in der Wüste…

Gibt es im Hamburger Hafen Wüstenschiffe? Diese Frage könnte seit dem 4. Juli 2014 bejaht werden. Allerdings darf der geneigte Leser hier mehr erwarten als ein Wortspiel, denn er wird sich so einfach nicht hinters Licht führen lassen, gerade wenn das „Wüstenschiff“ den Namen „AIDAluna“ trägt. Der spielt bekanntlich  auf die dunklere Tageszeit an. Aber Nacht war es nicht, sondern strahlender Sonnenschein, als die „ AIDAluna““  zu ihrer kürzesten Kreuzfahrt auslief, etwa eineinhalb Seemeilen lang vom Cruise Center in Hamburg – Altona bis an den Kronprinzkai in den Kaiser-Wilhelm-Hafen in Hamburg – Steinwerder.

Das tat sie zum feierlichen ersten Spatenstich zum Bauauftakt für das dritte Kreuzfahrtterminal am Kronprinzkai , das „Cruise Center 3“, kurz CC3 genannt.

Michael Ungerer und Hanjo Müller

Die Feiernden wurden mit der „AIDALuna“ an den Kai des neuen Terminals gebracht. Kapitän Hanjo Müller schaffte das im eleganten Rückwärtsgang, wie von einem solchen Schiff nicht anders zu erwarten: Das erste Mal anlegen, wo noch nie ein Kreuzfahrtschiff angelegt hat.  Eine Jungfernfahrt der besonderen Art, denn eine Kaimauer gibt es schon, sonst aber nur eine Wüstenlandschaft mitten im Kaiser-Wilhelm-Hafen, auf der nun das neue Kreuzfahrtterminal errichtet werden soll.

Die historischen Spaten warten

Dort ist der Eindruck einer zwanzig Fußballfelder großen Wüste für alle real, als sie über die Gangway auf den Kronprinzkaikai  hinunterschreiten, unmittelbar zu auf den fototechnisch ergiebigen  Platz: einen präparierten Sandhügel mit vier Schaufeln für den historischen Spatenstich, vier weiße Sturzhelme inbegriffen. Den vollziehen dann: Wirtschaftssenator Frank Horch, Jens Meier – Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburger Port Authority, Michael Eggenschwiler – Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Hamburg GmbH und Projektleiterin Iris Scheel.

Frank Horch spricht auf der AIDAluna zu den Gästen

Gastgeber dieser „kürzesten Kreuzfahrt aller Zeiten“ ist AIDA Vorstandschef Michael Ungerer. Seine Freude darüber, dass sich die Kreuzfahrtbranche wachsender Beliebtheit erfreut, dürfte ungetrübt sein. Deutschland sei inzwischen schon weltweit die Nummer zwei im Passagieraufkommen. Dies werde sich noch steigern, so hofft er. Hamburg habe sich zu einer der beliebtesten Kreuzfahrtdestinationen Europas entwickelt. Sein Unternehmen wird mit der im Bau befindlichen, dreihundert Meter langen „AIDAprima“ ab 2016 hier anlegen. Für Schiffe wie sie ist dieses Cruise Terminal geplant. Wöchentliche und ganzjährige Abfahrten soll es geben. Wer hätte das noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten.

Wirtschaftssenator Frank Horch begründet diesen Schritt: „Die Kreuzfahrt ist zu einem starken Wirtschaftszweig innerhalb des Hafens geworden und beflügelt den Tourismus in der Stadt. Aus diesem Grund investiert Hamburg in den Kreuzfahrtstandort. Mit der Realisierung des dritten Kreuzfahrtterminals folgt der nächste Schritt, um der Nachfrage der Reedereien nach leistungsstarken Terminalkapazitäten auch in der Zukunft zu entsprechen. Von dieser guten Entwicklung profitiert die gesamte Hamburger Wirtschaft.“

Gleich ist es soweit – nach dem Reden kommt das Schaufeln!

Der Auftrag beinhaltet neben dem Bau des Terminalgebäudes, der Flächenherrichtung mit Parkplätzen und Zufahrtswegen sowie der Verstärkung der Kaimaueranlagen auch den Betrieb dieses dritten Terminals sowie der bereits bestehenden in Altona und der Hafencity. Für beide Vorhaben fungiert der Flughafen Hamburg als starker Partner, der vor allem seine Expertise für die Bereiche Terminalbau- und betrieb sowie die Gepäckabfertigung mitbringt.

„Der Bau des dritten Kreuzfahrtterminals ist eine komplexe Aufgabe und zugleich eine neue Herausforderung, der wir uns gerne stellen. Mit dem neuen Kreuzfahrtterminal schaffen wir zusätzliche Kapazität für alle Reedereien. Die Zahl der Schiffsanläufe und die Prognosen zeigen, dass Hamburg ein drittes Kreuzfahrtterminal braucht“, erklärt Jens Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority ( HPA).

Anlegen am “Wüstenkai”

Das neue Terminal am Kronprinzkai  im mittleren Freihafen entsteht auf einer Fläche von rund zwei Fußballfeldern. Nach der Inbetriebnahme können dort 8.000 Passagiere pro Anlauf abgefertigt werden. Damit die Gepäckmengen reibungslos bewältigt werden können, sollen Ein- und Ausstiegsbereiche voneinander getrennt werden. Während im östlichen Gebäude die Abreise erfolgen wird, können gleichzeitig neue Gäste über das westliche Gebäude an Bord gehen.

„Mit der Teilnahme an dem Projekt „3. Kreuzfahrtterminal“ kann der Flughafen sein Prozess-Know-how im Terminalmanagement sowie in der Passagier- und Güterlogistik einbringen und weiter ausbauen. Die vorhandenen Synergien zwischen den Kreuzfahrtterminals und dem Flughafen, wie optimale Abläufe im Terminal und beim Gepäckhandling, erhöhen gleichermaßen die Standortattraktivität des Hafens und des Flughafens“, sagt Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Hamburg GmbH.

Die ersten Spatenstiche sind getan. ( von links) Jens Meier, Iris Scheel, Frank Horch, Michael Eggenschwiler

Die Zufahrt zum neuen Terminal CC3 wird über die Buchheisterstraße erfolgen, die zu diesem Zweck dreispurig ausgebaut wird. Auch der Knotenpunkt Reiherdamm/Buchheisterstraße wird angepasst und mit einer Ampelanlage ausgerüstet. Neben der Zufahrt über Land wird es die Möglichkeit geben, das neue Terminal mit der Fähre zu erreichen. Zu diesem Zweck wird im östlichen Bereich des Terminals ein öffentlicher Anleger errichtet. An der bereits bestehenden Kaimauer werden Fender, Poller und Dalben nachgerüstet, so dass dort künftig die ganz großen Kreuzfahrtschiffe festmachen können.

Fertig für den historischenAugenblick

Die Kosten für das Gesamtprojekt inklusive der öffentlichen Verkehrsanbindung und des zukünftigen Investments in das CC1 werdenn mit rund 80 Millionen Euro angegeben. Die Nutzung des 3. Kreuzfahrtterminals CC3 ist zunächst auf 15 Jahre angelegt.

Das neue CC3 soll 2016 fertig sein. Wenn dann die große AIDAprima oder die Queen Mary 2 anlegen werden, dann sicherlich nicht als „Wüstenschiffe“. Diese Landschaft wird sich dann  hoffentlich in ein funktionsfähiges Cruise Center verwandelt haben, auf dessen ambitionierte Logistik man schon heute gespannt sein darf.

 

Anhang: Was ist die Hamburg Port Authority?

Die Hamburg Port Authority betreibt seit 2005 ein zukunftsorientiertes Hafenmanagement aus einer Hand. Als Anstalt öffentlichen Rechts ist die HPA verantwortlich für die effiziente, Ressourcen schonende und nachhaltige Vorbereitung und Durchführung von Infrastrukturmaßnahmen im Hafen. Die HPA ist Ansprechpartner für alle Fragen der wasser- und landseitigen Infrastruktur, der Sicherheit des Schiffsverkehrs, der Hafenbahnanlagen, des Immobilienmanagements und der wirtschaftlichen Bedingungen im Hafen. Dazu stellt die HPA die erforderlichen Flächen bereit und übernimmt alle hoheitlichen Aufgaben und hafenwirtschaftlichen Dienstleistungen. Sie vermarktet spezielles, hafenspezifisches Fachwissen und nimmt die hamburgischen Hafeninteressen auf nationaler und internationaler Ebene wahr.

www.hamburg-port-authority.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorbericht zum Festival

Burton, Winnetou, Old Shatterhand

Die Karl-May-Spiele haben zur Pressekonferenz geladen. Angetreten sind die große Karl-May-Schauspielerfamilie, dazu über zwanzig Pferde, fünfzig Komparsen sowie die Vögel Jimmy und Cliff. Cliff ist ein majestätischer Weißkopfseeadler. Er ist als „Ko-inta“ der Begleiter Winnetous. Jimmy ist eine Weißrückengeierdame mit zwei Metern Flügelspannweite. Ohne sie geht es in diesem Jahr in Bad Segeberg nicht, denn der Titel des Stückes der Karl-May-Spiele 2014 lautet „Unter Geiern – Der Geist des Llano Estacado“.

Regisseur Norbert Schultze jun. und Falknerin Claudia Fischer

Falknerin Claudia Fischer hat kein Problem damit, die beiden Vögel bei ihrem „Auftritt“ zu unterstützen. Sie fliegen, und wie sie fliegen. Sie landen auch genau dort, wo sie es sollen. Majestätisch schwebt der Weißkopfseeadler in die Szene vom oberen Rand der Zuschauerarena über Sitzbänke und neugierige Köpfe ein und landet auf Winnetous Arm. Die Kameras klicken im Dauermodus. Was für ein ein Motiv!

Was für Motive bietet aber auch alles andere, das die Macher der Karl-May-Spiele in diesem Jahr entwickelt und ihren Zuschauern zu bieten haben – angefangen mit dem neuen Bühnenbild von Andreas Freichels. Er integriert die gefährliche und triste Wüstenlandschaft des Stückes, das Gasthaus nebst Store „Helmers Home“, ein Comanchendorf  und eine geheime Oase inmitten des Llano Estacado zu einem beeindruckenden Ensemble. Auf- und Abgänge von Reitern, Kutschen, Komparsen und Schauspielern lassen Perfektion und Spielfreude strahlen.

Es geht los!

Regisseur Norbert Schultze jun. moderiert es mit Freude und führt in die Szenen ein. Zum 14. Mal ist er der Regisseur der Karl-May-Spiele. Seit Mai ist er wieder in Bad Segeberg, denn im Winter lebt er in Kapstadt. Dort bringt er als Gründer des Deutschen Theaters diverse Inszenierungen auf die Bühne. Aber wer schon in den 60er Jahren mit Pierre Brice und Lex Barker am Set war und Karl-May-Filme gedreht hat, für den ist es die pure Freude, hier am Kalkberg zu inszenieren. Das ist ihm wieder einmal gelungen! Als Experte für eindrucksvolle Massenszenen und punktgenau inszenierte Komik sowie stimmungsvolle Musikuntermalung hat er in Bad Segeberg auch in diesem Jahr seine Meisterschaft bewiesen.

Christian Kohlund als Burton

Mit den „Sechzigern“ allerdings hat es in diesem Jahr bei den Karl-May-Spielen  eine besondere Bewandtnis: 63 Jahre ist es her, dass hier dieses Freilichtspiel eröffnet worden ist; 63 Jahre alt ist auch der diesjährige Bösewicht und Schauspielerstar Christian Kohlund. Diese beiden passen also offensichtlich sehr gut zusammen. Karl-May-Spiele- Bad Segeberg Geschäftsführerin Ute Thiel: „ Wir freuen uns, dass es in dieser Saison geklappt hat, denn wir haben uns Christian Kohlund seit Jahren für unser Ensemble gewünscht.“ Sein  Charme allerdings und seine markante Bassstimme, die ihm in den Medien die Bezeichnung „Frauenschwarm“ eingetragen haben, wird Christian Kohlund in Bad Segeberg in die verschlagenen Täuschungsmanöver des gefürchteten Gangsters und Kopfes der Llanogeier-Bande ummünzen, der als Wolf im Schafspelz unterwegs ist. Als Priester Burton versucht er, mit frommen Sprüchen und einem am Gürtel der schwarzen Soutane  baumelnden Kreuz zu täuschen. Ein Charakter, mit dem er seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. Das charmante Lächeln taucht erst zum Schluss wieder auf, als das Blitzlichtgewitter der Fotografen und die Fernsehkameras auf ihn gerichtet sind.

Die Guten reiten ein

Aber Karl May wäre nicht Karl May, wenn nicht die beiden einen bewunderten Mittelpunkt böten, ohne die es nun einmal nicht geht: Winnetou und Old Shatterhand! Dabei erweisen sich die beiden Blutsbrüder nicht nur als Friedensstifter und Versöhner, sondern sie sind in diesem Jahr auch schlagkräftig unterwegs, Jan Sosniok als Winnetou, Wayne Carpendale als Old Shatterhand.

Sosniok gibt den Winnetou in Bad Segeberg in der zweiten Saison und die Rolle ist ihm auf den Leib geschneidert. Er hat Winnetou in dieser Inszenierung eine besondere Note verliehen. Sein Kampf für Gerechtigkeit ist nicht nur einer mit Worten. Er lässt die Bösewichter auch schon mal im handfesten Kampf spüren, wenn sie zu weit gegangen sind.

Als er im vergangenen Jahr in „Winnetou I – Blutsbrüder“ am Kalkberg einritt, bahnte sich ein Erfolg an. Befürchtungen, dass durch den Wechsel in der Besetzung des Winnetou die Besucherzahlen zurückgehen würden, bestätigten sich nicht, im Gegenteil. Am Ende der Saison 2013 konnten sich Sosniok und seine Kollegen über das beste Ergebnis in der Geschichte der Karl-May-Spiele freuen.

Winnetou mit dem Adler Cliff

Wayne Carpendale kennt den Kalkberg und die Karl-May-Spiele seit vielen Jahren. Vor elf Jahren reüssierte er als Old Surehand, dem besten Schützen des Wilden Westens, und überzeugte dort mit einer dynamischen und sympathischen Darstellung. Er beweist in dieser Inszenierung genau wie Sosniok, wie wichtig körperliche Fitness und Mut sind, um die spielerischen Anforderungen zu erfüllen: Action-Szenen, in denen der Sand in der Arena aufgewirbelt wird und die beiden Blutsbrüder sich im Kampf messen, verlangen sportliches Können und Spielfreude der besonderen Art. Man spürt die Hand von Dr. Steve Szigeti, der das Stuntteam leitet, und seit über dreißig Jahren in Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen für Action sorgt. Dem Publikum wird es gefallen, den Akteuren sichtlich auch.

Buffalo Bill

Zum ersten Mal knüpft eine Inszenierung am Kalkberg das Band zum echten Wilden Westen indem es Buffalo Bill mit einbezieht. Er ist historisch und wird malerisch und einfallsreich mit seiner Wild-West-Show in die Handlung eingebaut. William Frederick Coda alias Buffalo Bill wird von Joshy Peters gespielt. Er ist ein alter Hase in Bad Segeberg und nun schon 27 Jahre lang in verschiedenen Rollen dabei. Wenn er mit Kutschen, Pferden, Stunts, Zirkus und Musik einzieht, entfaltet sich eine bunte und fröhliche Szenerie.

Wer auf das „sächsische Element“ gewartet hat, wird nicht enttäuscht. Uwe Karpa als Quacksalber Professor Hieronimus Zacharias Schmalfuß wird das Publikum mit Sicherheit durch seine explosiven Experimente überzeugen.

Professor Schmalfuß

Neu am Kalkberg ist die Hamburger Schauspielerin Heidrun Fiedler. Sie spielt die mutige Westernlady Mary Helmers. Sie verbindet eine Romanze mit dem geheimnisvollen Westmann Bloddy Fox, gespielt von Nicolas König. Auch er ein langjähriges Mitglied im Ensemble, nun schon zum zehnten Mal.

In weiteren Rollen spielen Dirc Simpson als Schiba-bigk, Häuptlingssohn der Comanchen, der den Mord an seinem Vater rächen will. Sein Debut in Bad Segeberg gab Fabian Monasterios schon im Jahr 2012. In dieser Saison spielt er Stewart, die rechte Hand von Gangsterboss Burton in der Llanogeier-Bande.

Heidrun Fiedler in der Arena mit Bloody Fox und Old Shatterhand

Harald P. Wieczorek ist in drei Rollen zu sehen: als alter Comanchenhäuptling  Tevua-schohe, als Store-Besitzer John Helmers und Diamantenhändler  Mr. Leader. Schon in den 80er Jahren spielte Maik Sommer als Reiterstatist in Bad Segeberg. Dann folgten immer wieder Sprechrollen und mittlerweile fährt er die Kutschen durch den Sand der Arena. In diesem Jahr ist er der Gangster Porter und Major Owens von der US-Kavallerie.

Als „Off-Sprecher“ des Stückes für Ansagen und Begleittexte zwischendurch sind Reiner Schöne und Marek Erhardt aus dem Lautsprecher zu vernehmen. Auch diese beigen kennen den Kalkberg als Ensemblemitglieder aus Inszenierungen vergangener Jahre. Reiner Schöne spielte zweimal mit. Seit 2008 begleitet aber seine Stimme die Zuschauer durch die Wildwest Abenteuer in Bad Segeberg. Marek Erhardt spricht Texte zur Organisation, die Sicherheitsansage und Texte in der Pause. Der Schauspieler und Enkel von Heinz Erhardt wird vielen Zuschauern noch als Stadionsprecher des HSV in Erinnerung sein.

Der Premiere entgegen fiebern nicht nur die Aktiven in der Arena. Das Buch zum Stück hat Michael Stamp geschrieben. Zu erleben, wie sich 70 Seiten Dialoge und Regieanweisungen mit Leben erfüllen, ist immer wieder ein spannender Prozess. Ebenso geht es Produktions- und Spielleiter Stefan Tietgen. Auch er schon ein alter Hase in der Karl-May-Spiele Familie, seit 15 Jahren dabei. Er wird sich sicherlich in diesen Tagen des Juni und Juli 2014 an eine seiner bislang größten beruflichen Aufgaben erinnern: die Übertragung der Endrundenauslosung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Leipzig.

Winnetou und der Geist von Llano Estacado

Premierenfieber sieht bei Bühnenbildner Andreas Freichels übrigens besonders aus: Anschauen geht nicht, weil er in jeder Szene zu sehr mitfiebern würde. Hinterher freut er sich über den Applaus des Publikums, meint er, und die strahlenden Kollegen umso mehr. Ein volles Haus mit 7500 Zuschauern dürfte nicht zu überhören sein!

Und was ist mit dem Geist des Llano Estacado? Dazu schweigt die Autorin. Schließlich muss nicht alles im Voraus verraten werden. Nur so viel sei gesagt: Auch er kann reiten!

Infos:

Spielzeit:  28. Juni bis 7. September 2014

Jeden Donnerstag, Freitag und Samstag: 15 Uhr und 20 Uhr

Sonntag: 15 Uhr

Premiere 28. Juni 2014, 20.30 Uhr

Karten an allen Vorverkaufsstellen oder unter

www.karl-may-spiele.de

Ticket Hotline und Infos unter: 01805-952111

 

 

 

 

 

Matthias Ristau

Matthias Ristau (45) ist der neue Seemannspastor der evangelischen Nordkirche. Man findet ihn in der Deutschen Seemannsmission Hamburg-Altona in der Großen Elbstraße 132 –  Blick auf Elbwellen, Schiffe und Hafen.

Allerdings nicht nur dort, denn er ist für insgesamt 7 Seemannsmissionen zuständig: Hamburg-Altona, Hamburg ( Krayenkamp), Hamburg-Harburg – bekannt unter „Duckdalben“, Brunsbüttel, Kiel, Lübeck und Rostock.

Da ist Reisen angesagt und das nicht nur mit dem Fahrrad, der S-Bahn oder dem HVV-Schiff, wie es innerhalb des Hamburger Hafens für Matthias Ristau seit seinem Amtsantritt im Oktober 2013 normal ist, ebenso übrigens wie der Weg von seinem jetzigen Wohnort Wedel in die Große Elbstraße, wenn er im Büro in Hamburg Altona arbeitet.

Das Leben führte ihn über Berlin, Brasilien, Süderlügum an der dänischen Grenze, wieder Brasilien, Kiel und wieder nach Hamburg zurück. In Brasilien lernte er seine Frau kennen, mit der er zwei Töchter hat.

Vor seiner Berufung zum Seemannspastor arbeitete er in der Kieler Gemeinde Gaarden gemeinsam mit der Kieler Tafel und der Stadtmission, die Hunderte von Menschen mit Essen versorgen. So sieht er seine Aufgabe auch heute: „Wir wollen nicht alle zu Christen machen, aber wir wollen beistehen, helfen und unterstützen.“ Diesen Dienst an den Menschen zu tun, deshalb ist er Pastor geworden.

Der Hafen ist sein Arbeitsplatz

Sturzhelm und Sicherheitsjacke hängen im Büro, die er bei seinen Schiffsbesuchen im Hafen trägt, wenn er dort die Hilfsangebote der Seemannsmission bekannt macht. Schon jetzt kann er viele Geschichten über das Leben der Besatzungen in einer globalisierten Welt erzählen, in der Mindeststandards immer noch nicht eingehalten werden.

Im März ist er auf einem Containerschiff  in die Dominikanische Republik gefahren, um sich ein Bild vom Leben der Seeleute zu machen, denn das Leben an Bord ist hart und der technische Fortschritt hat nicht dazu beigetragen, die Würde des Seemanns im Arbeitsalltag zu gewährleisten. View full article »

Es war einmal…

Singen ist Lebensfreude

Die Geschichte ist kurz und enthält trotzdem ein Universum an Gedanken. Als ich sie hörte, musste ich weinen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann das zuletzt bei einem Interview als quasi Begleiterscheinung geschehen ist.

Es war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges irgendwo an der Elbe in der sowjetischen Zone. Dem deutschen Soldaten winkte kein gutes Schicksal. Die russischen Soldaten hatten ihn zusammen mit anderen deutschen Soldaten gefangen genommen. In einem Holzschuppen saßen sie und warteten darauf, nach Sibirien abtransportiert zu werden. Das hatte man ihnen angekündigt.

Sibirien also, weit entfernt von der Familie, das Schicksal ungewiss, die Lage aussichtslos, die Hoffnung auf dem Nullpunkt. Was hatte dieses Leben noch für einen Wert, was für einen Sinn und warum eigentlich sollte man es noch leben?

Die russischen Soldaten saßen immer nachmittags beim Wodka zusammen und sangen russische Weisen, betranken sich und sangen und sangen. Wer kennt russiche Volksmusik nicht, wer kennt sie nicht, die „Kalinka“ ?

An einem Nachmittag fasste sich der deutsche Soldat ein Herz. Er stand auf und begann laut zu singen. Seit seiner Jugend hatte er im Chor gesungen. Singen war sein Hobby und seine Freizeitfreude gewesen. Er sang, was er sicher erinnerte, liebte und auswendig konnte: deutsche Operettenlieder.

Die russischen Soldaten hörten zu und applaudierten. Von diesem Nachmittag an musste er ihnen immer vorsingen, deutsche Operettenlieder im Angesicht von Wodka und zukünftiger  Gefangenschaft in Sibirien. Er sang sich damit ins Leben zurück, aber er wusste es nicht. Als das Lager aufgelöst wurde, entließen sie ihn nach Hause zu seiner Frau und den Kindern.

Vom Zauber des Singens und der Musik könnte man schreiben. Vom Mut eines Mannes, seine Stimme einfach zu erheben, könnte man schreiben. Von der Hoffnung, die sich darin einen Weg gebahnt hatte, könnte man schreiben. Welche Assoziation auch immer – sie führte noch siebzig Jahre danach zu Tränen der Rührung und der Freude über die Kraft der Musik und ihre Fähigkeit, Menschen zu verwandeln.